Verschwulung, ¡olé!

Wollte ich eigentlich schon viel früher posten: den Soundtrack zum Nichterscheinen des neuen Buchs von Akif Pirinçci.

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„Wer glaubt, er könne Frauen vor Unterdrückung schützen, indem er ihnen das Recht auf Selbstbestimmung nimmt, ist selbst ein Unterdrücker.“

Hatice Kahraman hat einen Follow-up-Artikel zu ihren Interviews mit hidschabtragenden jungen Frauen veröffentlicht (habe ich Anfang des Monats verlinkt), in dem sie auf einige Kommentare zu den Interviews antwortet: „Warum für mich Feminismus und Kopftuch zusammengehören“.

Gegenderte Fertilität

Einer der gruseligen Aspekte des Kinderhabens ist, wie man plötzlich zum Objekt bevölkerungspolitischer Begierden wird: Da kommt in der Straßenbahn eine fremde Person auf uns zu, tätschelt Nori ungefragt am Kopf und fragt drängelnd nach ihrer Geschlechtskategorie. Und warum? „Sie können stolz auf sich sein, dass Sie ein Mädchen haben. Es werden ja so wenig Mädchen geboren.“

Eine Chronologie faschistischen Terrors seit 1945

Die westliche Welt hat ein massives Terrorismusproblem. Es ist hausgemacht und besteht seit 60 Jahren.

  • 1955: In Brookhaven, Mississippi wird der schwarze Bürgerrechtler Lamar Smith von einem weißen Attentäter erschossen. Die Tat wird von mehreren weißen Zeug_innen beobachtet, von denen keine_r den Attentäter identifiziert.
  • 1955: Der Bürgerrechtler George W. Lee wird in Belzoni, Mississippi erschossen.
  • 1955: In Money, Mississippi entführen zwei weiße Männer den schwarzen Teenager Emmett Till. Sie foltern ihn in einer Scheune und erschießen ihn anschließend.
  • 1955: Gus Courts, ein Mitarbeiter George W. Lees, wird in Belzoni, Mississippi erschossen.
  • 1961/62: Die von rechtsradikalen Offizieren gegründete Organisation de l’armée secrete (OAS) nimmt durch Bombenanschläge und Attentate in Algerien und Frankreich ca. 2.200 Menschen das Leben.
  • 1963: William L. Moore, ein Mitglied des Congress of Racial Equality (CORE) wird in Gadsden, Alabama ermordet aufgefunden.
  • 1963: Byron De La Beckwith, ein Mitglied des White Citizens’ Council, tötet den Bürgerrechtler Medgar Evers in Jackson, Mississippi mit einem Schuss in den Rücken.
  • 1963: Vier Mitglieder des Ku Klux Klan (KKK) platzieren Dynamit in der 16th Street Baptist Church in Birmingham, Alabama. Die Explosion tötet vier Mädchen.
  • 1964: In Philadelphia, Mississippi werden drei Bürgerrechtler vom KKK ermordet.
  • 1965: Oneal Moore, ein schwarzer Deputy Sheriff des Washington Parish, Louisiana, wird von KKK-Mitgliedern erschossen.
  • 1966–2007: Die nordirisch-loyalistische Ulster Volunteer Force (UVF) und ihre Untergruppe, das Red Hand Commando (RHC), töten ca. 500 Menschen.
  • 1968: In Memphis, Tennessee wird Martin Luther King von James Earl Ray, einem Bewunderer des rassistischen Südstaaten-Politikers George Wallace, erschossen.
  • 1968: Der Neonazi Josef Bachmann schießt drei Kugeln auf Rudi Dutschke ab. Dutschke stirbt 1979 an den Spätfolgen des Attentats.
  • 1969: The Family, die Sekte um Charles Manson, ermordet in Los Angeles sieben Menschen, darunter die schwangere Schauspielerin Sharon Tate. Manson hofft, dass diese Taten zum Auslöser eines „Rassenkriegs“ werden, an dessen Ende die weißen Mitglieder der Sekte über eine schwarze Bevölkerungsmehrheit herrschen sollen.
  • 1969: Die Gruppe Ordine Nuovo lässt eine Bombe auf der Piazza Fontana in Mailand explodieren. 16 Menschen sterben, 90 werden verwundet.
  • 1970: Ein Attentat der Avanguardia Nazionale auf einen Schnellzug kostet sechs Menschen das Leben und verwundet 66 weitere.
  • 1970: Ein Autounfall bei Ferentino kostet vier Mitglieder der anarchistischen Gruppe Anarchici della Baracca das Leben. Der Unfall wurde wahrscheinlich im Auftrag der Avanguardia Nazionale bewusst herbeigeführt.
  • 1970: Der Neonazi Ekkehard Weil schießt in Westberlin auf einen sowjetischen Soldaten und verletzt ihn schwer.
  • 1971–2007: Die nordirisch-loyalistische Ulster Defence Association (UDA), die auch unter dem Namen Ulster Freedom Fighters (UFF) auftritt, tötet ca. 300 Menschen.
  • 1972: Drei Carabinieri sterben bei der Explosion einer Autobombe, die von dem Ordine-Nuovo-Mitglied Vincenzo Vinciguerra gelegt worden war.
  • 1973: Die Groupe Charles Martel lässt eine Bombe im algerischen Konsulat in Marseille explodieren. Es gibt vier Tote und 20 Verletzte.
  • 1974: Ein Feuerwerker stirbt bei dem Versuch, eine Bombe Peter Naumanns, Funktionär der Jungen Nationaldemokraten (JN), zu entschärfen.
  • 1974: Ein Mitglied von Ordine Nuovo wirft eine Handgranate in eine antifaschistische Demonstration in Brescia. Acht Menschen sterben.
  • 1974: In einer Gemeinschaftsaktion der Fronte Nazionale Rivoluzionario und der Ordine Nuovo deponiert Piero Malentacchi in einem Nachtzug eine Bombe, die nahe Bologna explodiert. Es gibt 12 Tote und 48 Verletzte.
  • 1975–82: Nach dem Ende des Franco-Regimes ermorden franquistische Terrorgruppen wie das Batallón Vasco Español (BVE), die Guerilleros de Cristo Rey und die Alianza Apostólica Anticomunista (Triple A) insgesamt 56 Menschen.
  • 1977: In Paris ermordet die Gruppe Commando Delta Laïd Sebaï, ein Mitglied des Amicale des Algériens en Europe (Freundeskreis der Algerier in Europa).
  • 1977–84: Die Gruppe Ludwig ermordet in Deutschland und Oberitalien 16 Menschen.
  • 1978: Commando Delta ermordet den kommunistischen Politiker Henri Curiel in Paris.
  • 1979: Bei einem rassistischen Pogrom werden in Merseburg zwei kubanische Vertragsarbeiter ermordet.
  • 1979: Mehmet Ali Ağca ermordet im Auftrag der Grauen Wölfe den Journalisten Abdi İpekçi in Istanbul.
  • 1980/81: Mitglieder der Volkssozialistischen Bewegung Deutschlands (VSBD) töten bei Schießereien zwei Menschen.
  • 1980: Mitglieder der Grauen Wölfe erstechen den Kommunisten Celalettin Kesim in Berlin.
  • 1980: Die von Manfred Roeder gegründeten Deutschen Aktionsgruppen verüben sieben Sprengstoff- und Brandanschläge, bei denen zwei Menschen sterben.
  • 1980: Auf dem Hauptbahnhof von Bologna explodiert eine Kofferbombe, die 85 Menschen in den Tod reißt und über 200 weitere verletzt. Verantwortlich sind die Nuclei Armati Rivoluzionari (NAR), eine Untergruppe der Ordine Nuovo.
  • 1980: Eine von Gundolf Köhler, Mitglied der Wehrsportgruppe Hoffmann (WSG), auf dem Münchner Oktoberfest gelegte Rohrbombe tötet 13 und verletzt 211 Menschen.
  • 1980: Ein weiteres Mitglied der WSG, Uwe Behrendt, ermordet den Rabbiner Shlomo Lewin und seine Lebensgefährtin.
  • 1981: Sydi Battal Koparan wird in Ludwigsburg von rechtsradikalen Bikern erschlagen, die anschließend durch den Ort ziehen und sich laut mit ihrer Tat brüsten.
  • 1981: Bei einem Attentat auf dem Petersplatz in Rom trifft Mehmet Ali Ağca Papst Johannes Paul II. mit drei Pistolenschüssen.
  • 1981: Johannes Bügner, ein Mitglied der Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS), wird von ANS-Mitgliedern erstochen, nachdem sie herausgefunden hatten, dass Bügner schwul war.
  • 1981/83: Richard Wayne Snell, Mitglied der in Missouri ansässigen Gruppe The Covenant, the Sword and the Arm of the Lord (CSA), ermordet zwei Menschen.
  • 1982: Juan María Fernández y Krohn, ein Anhänger des ultrarechten Erzbischofs Marcel Lefebvre, versucht Johannes Paul II. mit einem Bajonett zu töten. Zur Begründung gibt er an, der Papst sei in ein kommunistisches Komplott verwickelt.
  • 1982: Tevik Gürel wird in Norderstedt von Neonazis erschlagen.
  • 1982: Der Neonazi Helmut Oxner erschießt in Nürnberg drei Menschen.
  • 1982: Adrian Maleika, ein Spätaussiedler, wird von Neonazis und rechtsradikalen Hooligans in Hamburg erschlagen.
  • 1983: Das Posse-Comitatus-Mitglied Gordon Kahl erschießt drei Polizisten.
  • 1983: Commando Delta bekennt sich zu einem Anschlag in Marseille, bei dem es ein Todesopfer und 26 Verletzte gibt.
  • 1984: Ein Mitglied der Grauen Wölfe erschießt eine Frau in dem Frauenberatungstreff TIO (Berlin) und verletzt die dort arbeitende Anwältin Seyran Ateş schwer.
  • 1984: Die Gruppe The Order ermordet den jüdischen Radiomoderator Alan Berg in Denver, Colorado.
  • 1985: Hamburger Neonazis töten Mehmet Kaymakcı und Ramazan Avcı.
  • 1985: Mitglieder von Wotans Volk töten zwei Menschen bei Überfällen und verletzen einen Polizisten.
  • 1987: Carlos Conceição wird in Staßfurt von einem rassistischen Mob erschlagen.
  • 1988: Unter dem Namen Mouvement d’Action et Défense Masada wird ein Bombenanschlag auf ein arabisches Hostel in Nizza begangen. Es gibt ein Todesopfer und 16 Verletzte. Der Bezug auf Masada soll den Anschein erwecken, hinter dem Attentat steckten jüdische Täter_innen. Tatsächlich sind die Hauptverantwortlichen Mitglieder der neofaschistischen Parti nationaliste français et européen (PNFE).
  • 1988: In Schwandorf setzt ein Neonazi ein von türkischstämmigen Menschen bewohntes Haus in Brand. Vier Menschen kommen ums Leben.
  • 1989: Ufuk Şahin wird in Berlin von einem Neonazi erstochen. Der darauffolgende Trauermarsch wird von alkoholisierten Neonazis angegriffen.
  • 1991/92: John Ausonius schießt in Stockholm und Uppsala auf insgesamt elf Personen. Eine davon stirbt, die anderen werden schwer verletzt. Die Opfer hat Ausonius aufgrund ihrer dunklen Haut- und Haarfarbe ausgesucht. Die Presse nennt ihn den „Lasermann“, weil er ein Gewehr mit Laser-Zielvorrichtung benutzt.
  • 1992: Neonazis werfen Molotow-Cocktails in zwei von türkischen Familien bewohnte Häuser in Mölln. Es gibt drei Tote und neun Verletzte.
  • 1993–97: Im Namen seiner Ein-Mann-Organisation, der Bajuwarischen Befreiungsarmee (BBA), verübt der Österreicher Franz Fuchs Bombenanschläge, die vier Todesopfer fordern und 15 Menschen verletzen.
  • 1993: Die Mitglieder der Rechtsrockband Absurd ermorden ihren Mitschüler Sandro Beyer, weil er ein „Volksschädling“ sei.
  • 1993: Neonazis zünden in Solingen ein von türkischen Familien bewohntes Haus an. Fünf Menschen sterben, 17 werden verletzt.
  • 1994: Die Pro-Apartheid-Gruppen Afrikaaner Weerstandsbeweging (AWB) und Afrikaner Volksfront (AVF) versuchen die ersten freien Wahlen im südafrikanischen Homeland Bophuthatswana zu verhindern. Dabei kommen 55 Menschen ums Leben, 288 werden verwundet.
  • 1994: Varg Vikernes, mit seinem Musikprojekt Burzum Protagonist des rechtsradikalen Flügels der Black-Metal-Szene, ermordet Øystein Aarseth, den Gitarristen der Band Mayhem.
  • 1995: Timothy McVeigh, der aus der rechtsradikalen Milizenszene stammt, verübt einen Bombenanschlag in Oklahoma City, der 168 Menschenleben fordert.
  • 1996–98: Eric Rudolph führt vier Bombenanschläge in Atlanta, Georgia und Birmingham, Alabama durch. Seine Ziele sind die Olympischen Sommerspiele von 1996 (die nach Rudolphs Auffassung „globalen Sozialismus“ propagieren), zwei Abtreibungskliniken und eine Lesbenkneipe. Die Anschläge fordern drei Todesopfer und 117 Verletzte.
  • 1996–2005: Die nordirische Loyalist Volunteer Force (LVF) tötet mindestens 14 Menschen.
  • 1996: Mitglieder der Türkischen Rachebrigade ermorden den türkisch-zyprischen Journalisten Kutlu Adalı.
  • 1997: Der Neonazi Kay Diesner verletzt den linken Buchhändler Klaus Baltruschat schwer und erschießt auf der Flucht einen Polizisten.
  • 1998–2013: Die nordirisch-loyalistischen Red Hand Defenders (RHD) töten 11 Menschen.
  • 1998: Buford Furrow, ein Mitglied der Aryan Nations, verletzt bei einem Anschlag auf ein jüdisches Gemeindezentrum in Los Angeles fünf Menschen und erschießt auf der Flucht einen weiteren.
  • 1998: Der Menschenrechtler Akın Birdal wird bei einem Anschlag der Türkischen Rachebrigade schwer verletzt.
  • 1999–2006: Der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) erschießt zehn Menschen und verübt eine Reihe von Bombenanschlägen, bei denen 24 Menschen verletzt werden.
  • 1999: David Copeland, Mitglied der British National Party (BNP) und des National Socialist Movement (NSM), lässt in London drei Nagelbomben explodieren. Die Anschläge richten sich gegen Schwarze, Südasiat_innen und Schwule.
  • 2000: Der Neonazi Michael Berger ermordet drei Polizist_innen.
  • 2001: Vier Tage nach den 9/11-Anschlägen erschießt Frank Silva Roque in Mesa, Arizona einen Sikh, den er aufgrund seines Turbans für einen Muslim hält.
  • 2001: Larme Price erschießt vier Menschen, die er für Araber hält, aus Rache für 9/11.
  • 2002: Die Pro-Apartheid-Gruppe Boeremag lässt eine Reihe von Bomben in Soweto explodieren. Unter den Anschlagszielen sind eine Moschee und ein buddhistischer Tempel.
  • 2007: Ogün Samast und die Brüder Osman und Yasin Hayal ermorden im Auftrag der rechtsradikalen Büyük Birlik Partisi (BBP) den armenisch-türkischen Journalisten Hrant Dink.
  • 2008/09: Eine aus vier Rechtsradikalen bestehende Gruppe ermordet im Nordosten Ungarns sechs Menschen und verletzt fünf weitere. Die Opfer, darunter ein fünfjähriges Kind, gehören der Minderheit der Roma an.
  • 2009/10: Peter Mangs schießt in Malmö aus rassistischen Gründen auf insgesamt 14 Menschen. Eines der Opfer erliegt seinen Verletzungen. Mangs betrachtete John Ausonius als sein Vorbild.
  • 2011: Bei einem Anschlag auf die demokratische Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords in Tucson, Arizona werden sechs Personen getötet und 14 (darunter Giffords) verletzt. Der Täter, Jared Lee Loughner, ist ein Anhänger des rechtsradikalen Verschwörungstheoretikers David Wynn Miller.
  • 2011: Anders Behring Breivik tötet mit einer Bombe acht Menschen in Oslo und erschießt 69 weitere auf der Insel Utøya. Breivik will ein Zeichen gegen den „Massenimport von Moslems“ setzen.
  • 2012: Posse-Comitatus-Mitglieder töten in einer Schießerei im St. John the Baptist Parish, Louisiana zwei Polizisten und verletzen zwei weitere.
  • 2012: Der Rechtsrock-Musiker Wade Michael Page stürmt einen Sikh-Tempel in Oak Creek, Wisconsin, erschießt sechs Menschen und verwundet vier weitere.
  • 2013: In Florenz schießen CasaPound-Aktivisten auf senegalesische Straßenhändler. Es gibt zwei Tote und drei Verletzte.
  • 2015: In Charleston, South Carolina erschießt Dylann Roof neun Menschen in einer afroamerikanischen Kirche.
  • 2015: Der Neonazi Frank S. attackiert die Politikerin Henriette Reker, die für die Flüchtlingspolitik der Stadt Köln zuständig war, mit einem Bowiemesser. Reker und vier weitere Personen werden verletzt.
  • 2015: Die Bürgerwehr Freital lässt drei Bomben in Unterkünften und Wohnprojekten für Asylbewerber_innen explodieren.
  • 2015: Anton Lundin Pettersson stürmt maskiert und mit einem Schwert bewaffnet eine Schule im schwedischen Trollhättan, tötet zwei Menschen und verletzt zwei weitere. Pettersson, ein Anhänger der rechtspopulistischen Schwedendemokraten, hatte zuvor neonazistische Social-Media-Seiten im Internet besucht.
  • 2016: Am fünften Jahrestag der Anschläge Anders Behring Breiviks tötet David S. in München neun Menschen und verletzt vier weitere. Sein Motiv ist Verehrung für Breivik und Stolz auf seine „arische“ Abstammung.
  • 2016: Ein Reichsbürger erschießt in Georgensgmünd einen Polizisten, als dieser versucht, eine Sammlung illegal gelagerter Waffen zu beschlagnahmen.

Kopfnickerin

Gestern vormittag hat das Kind zum ersten Mal auf dem Bauch gelegen und dabei erhobenen Hauptes gegrinst und sich mit mir unterhalten, statt mit vor Anstrengung wackelndem Kopf zu knurren und zu ächzen. Das musste ich gleich rumerzählen, als wir danach auf die Kundgebung gegen den AfD-Aufmarsch am Rostocker Hauptbahnhof gegangen sind.

Postpatriarchen im Geburtsvorbereitungskurs

Seit der Geburt meiner Tochter vor zwei Monaten beschäftigt mich das Bild von Mannsein/Männlichkeit, das in der Geburtsvorbereitung und -hilfe konstruiert wird.


Es fing an in der gynäkologischen Praxis: Männer, so hieß es, können es nicht ertragen, wenn ihre Frauen vaginal untersucht werden, bzw. wenn ein Ultraschallkopf vaginal eingeführt wird. Das sei der Grund dafür, warum werdende Väter während der Ultraschalluntersuchung am Kopfende der Liege stehen sollten. Wozu diese Erklärung? Es ist offensichtlich, dass man sich ans Kopfende stellen muss, wenn man den Monitor mit dem Ultraschallbild sehen möchte. Weiter ging es im Geburtsvorbereitungskurs: Männer wollen anscheind nichts von der Plazenta wissen und sie im Kreißsaal am liebsten gar nicht zu Gesicht bekommen. Ebenfalls ein für Männer unerträglicher Gedanke ist anscheinend, dass die meisten auf natürlichem Weg geborenen Kinder während des Austritts aus dem Geburtskanal Richtung Hintern der Mutter gucken. Das (und vieles weitere) wurde in der gynäkologischen wie in der Hebammenpraxis mit größtem Ernst vertreten, meist verbunden mit unheilvollen Andeutungen, dass einigen anwesenden Männern vielleicht schlecht würde, wenn das entsprechende Thema zu explizit zur Sprache käme. Ich muss sagen, dass ich mir ziemlich den Kopf zerbrochen habe, wozu dieses ständige Nichtwissenwollen der Männer beschworen wurde. Klar, es ist üblich, im Alltag noch die banalsten Distinktionen in den Vorlieben von Individuen auf die Geschlechterdifferenz zurückzuführen. Das erklärt aber m.E. nicht, warum in diesem Fall ein Männern unerträglicher Ekel vor bestimmten körperlichen Vorgängen und geburtshilflichen Maßnahmen behauptet wurde.


Mir kam der Gedanke, dass es sich vielleicht um eine verklausulierte Erziehungsmaßnahme handeln könnte: Es wird angenommen, werdende Väter interessierten sich für die falschen Dinge, indem sie etwa fasziniert die Plazenta betrachten, statt sich auf Partnerin und Neugeborenes zu konzentrieren. Entsprechende Hinweise auf die fehlgeleitete Aufmerksamkeit von Vätern gab es im Geburtsvorbereitungskurs einige, und ich kann mir gut vorstellen, dass sie berechtigt sind. Ganz allgemein gilt natürlich auch: Es gibt Menschen, die (völlig unabhängig von ihrer Geschlechtskategorie) den Anblick größerer Mengen Blut nur schwer ertragen können. Da kann ein dezenter Hinweis schon angebracht sein, es könnte gut sein, Absprachen mit der Partnerin (oder dem Partner, im Falle gebärender Männer) zu treffen und in heiklen Momenten den Kreißsaal kurz zu verlassen. Nur waren die Hinweise, die ich beschrieben habe, alles andere als dezent.


Die Botschaft, die da an Männer ausgesendet wird, ist: Seht nicht so genau hin. Das hier ist nichts für euch. Man könnte das für ein Überbleibsel der patriarchalen Vorstellung halten, dass Geburt und alles, was damit zu tun hat, Frauensache ist. Männer hätten weder während der Geburt noch am Wochenbett anwesend zu sein. Das geht aber an den heutigen Verhältnissen vorbei, denn die Anwesenheit des Vaters während der Geburt ist ja ausdrücklich erwünscht. Das Patriarchat zeichnet sich gerade nicht dadurch aus, dass es Männern schrankenlosen Zutritt zu Frauenräumen gestattet. Im Gegenteil, es ist von einer weitreichenden Trennung der alltäglichen Lebensbereiche von Frauen und Männern gekennzeichnet. Die männliche Macht besteht im Patriarchat eher darin, über Leben und Tod von Frauen entscheiden zu können. Mit dem Recht des patriarchalen Mannes, seine Frau jederzeit schwängern zu können, war dieses Recht gewährleistet, solange Schwangerschaft mit erheblichen gesundheitlichen Risiken verbunden war: Jede weitere Schwangerschaft konnte den Tod bedeuten. Die moderne Medizin hat dieses Risiko minimiert. Über das gesundheitliche Befinden von Schwangeren, Gebärenden und Wöchner_innen entscheidet heute nicht mehr der patriarchale Mann, sondern das Geburtshilfe-Team. Das erklärt für mich am besten die an werdende Väter gerichteten Warnungen vor angeblich Unerträglichem im Geburtsvorgang: Im Kreißsaal des Krankenhauses sieht der diminuierte Postpatriarch seiner eigenen Entrechtung zu.


Das klassische Patriarchat mit seiner auf Komplementarität beruhenden Geschlechterordnung ist erodiert. Die strikte soziale Trennung in weibliche und männliche Sphären, die die Individuen mit ihren sozialen Rollen identisch setzte, stand der doppelten Vergesellschaftung von Frauen im Weg. Von der patriarchalen Komplementarität der Geschlechter ist nicht viel mehr übrig geblieben als die bloße Binarität der Geschlechter, die meist biologistisch begründet wird. Hier hat die Unsicherheit und Verrohung von Männern, wie sie sich anhand von Phänomenen wie PUA und PUA-Hass, Maskulinismus und Männerrechtsbewegung beobachten lassen, ihren Ursprung: Männliche Herrschaft, die sich nur noch legitimieren lässt durch evolutionspsychologisch begründete Verweise (z.B. dass Männer angeblich besser einparken können), steht auf wackligen Füßen. Dabei werden Männer im Spätkapitalismus noch immer bevorzugt. Die im Berufsleben weithin akzeptierte Trennung von Individuum und sozialer Rolle (kein Mensch geht ganz in seinem Beruf auf), ist im Falle der doppelten Vergesellschaftung von Frauen nur zur Hälfte realisiert. Was im Berufsleben gilt, wird im Reproduktionsbereich immer noch verweigert: In ihrer Rolle als Hausfrauen und Mütter sollen Frauen ganz aufgehen. Dies strahlt auch auf die Vergesellschaftung von Frauen in der Produktion aus. Die Diskriminierung von Frauen im Beruf (niedrigere Löhne, gläsernde Decke etc.) wird, sofern sie einmal explizit zur Sprache kommt, mit dem Schwangerwerdenkönnen gerechtfertigt. Der im Reproduktionsbereich ungebrochen herrschende Rollenzwang setzt berufstätige Frauen permanent dem Verdacht aus, für das Berufsleben weniger geeignet zu sein als Männer. Warum sollten für sie also gleiche Bedingungen gelten?


Es ist also nach wie vor so, dass Männer erheblich mehr Freiheiten genießen als Frauen. Umso erstaunlicher finde ich die anhaltende Problematisierung von Männlichkeit im Kontext Schwangerschaft und Geburt. Immerhin können Männer sicher sein, dass sie zwar die Zumutungen der Lohnarbeit zu ertragen haben, aber weitgehend sicher davor sind, in die totale Rollenidentifikation des Reproduktionsbereichs gezwungen zu werden. Männer können sich aussuchen, wie viel Zeit sie für Vatersein (und Hausarbeit) aufbringen wollen. Frauen können das in Bezug auf Muttersein nicht. Trotzdem ist der Verlust des alten Patriarchenrechts an den anonymen Apparat Medizin anscheinend Verunsicherung genug, um für allerhand bedenkliche Entwicklungen zu sorgen. So vertritt die Männerrechtsbewegung ganz offen die Vorstellung, nur solche Frauen seien marriageable (das ist der in solchen Kreisen übliche Terminus), die jederzeit bereit sind, sich von ihrem Ehemann schwängern zu lassen. Schon die Vorstellung, dass Frauen selbst entscheiden, ob sie Hausfrauendasein und Mutterschaft mit allen dazugehörigen Zwängen auf sich nehmen wollen, gilt den Maskus als unerträglich.


Auf der einen Seite tobt sich also der verrohte Überrest der patriarchalen Ideologie aus, auf der anderen Seite wartet die Unterordnung unter den technokratischen (heißt: verwertungsorientierten) Gesundheitsbetrieb. Damit lässt sich das eingangs geschilderte Bild von Männlichkeit als Vermittlungsversuch zwischen beiden Seiten interpretieren. Als solches wirkt es allerdings reichlich inadäquat. Eine emanzipatorische Position kommt ohnehin nicht umhin, beide Seiten zu kritisieren, das Patriarchat wie die Technokratie.

Begeistert dafür sein dürfen

Unbenannt

Sehr geehrte Frau Pe,

Ihrer Verwirrung bezüglich dessen, was Sie dürfen und was nicht, kann abgeholfen werden: Das Vermummungsverbot gemäß § 17a Abs. 2 Versammlungsgesetz gilt nur, wenn man sich auf öffentlichen Versammlungen unter freiem Himmel, Aufzügen oder sonstigen öffentlichen Veranstaltungen unter freiem Himmel oder auf dem Weg dorthin befindet. Die Kenntnis des rechtlichen Rahmens sollte Ihnen einen sicheren Leitfaden bieten, unter welchen Umständen Sie für ein Burkaverbot sein dürfen. Von einer Auswanderung nach Frankreich rate ich ab. Gemäß Artikel 11 der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 gilt in Frankreich die „freie Äußerung von Gedanken und Meinungen“ als Menschenrecht. Demzufolge darf jede Bürgerin und jeder Bürger „frei reden, schreiben und drucken“. Man kann sich in etwa vorstellen, wohin das führt: Es steht zu befürchten, dass man in Frankreich nicht nur für, sondern auch gegen das Burkaverbot sein darf. Eine völlig widersinnige Regelung, denn wie schon Seine Heiligkeit, Papst Leo XIII. bemerkte, widerspricht es der Vernunft, „dass das Falsche gleiches Recht haben soll wie das Wahre“. Womöglich können die Franzosen das Wahre gar nicht vom Falschen unterscheiden, denn dem Vernehmen nach gibt es dort 5,7 Millionen Muslime. Das ist mindestens eine Million mehr als in Deutschland. Vielleicht wäre es also doch gut, wenn Sie nach Frankreich auswandern würden. Damit denen da auch mal jemand sagt, wofür sie sein dürfen und wofür nicht.

Hochachtungsvoll

(Dieses Schreiben wurde automatisch erstellt und ist ohne Unterschrift gültig.)

„Ich setze mit dem Kopftuch ein feministisches Zeichen“

Hatice Kahraman hat vier junge Frauen befragt, warum sie das Kopftuch tragen und wie sie mit Alltagsrassismus umgehen. Sehr lesenswert, wenn man ein dreifach unterstrichenes “Don’t read the comments!” hintansetzt. Das bleibt wohl leider nicht aus, wenn ein Artikel wie dieser von Spiegel Online verlinkt wird.