Beirut, Paris

Es ist nicht so, dass mir nichts einfallen würde, was ich sagen könnte. Es ist eher so, dass ich nichts sagen will. Manchmal ist es so, dass die richtigen Worte sich rar machen und die falschen sich aufdrängen. Enno Park hat recht:

Beobachte ich Twitter, Facebook, Kommentarspalten, sehe ich sie vor mir: Gemütlich im Sessel vor dem Fernseher, eine Bierdose in der Hand oder mit dem Laptop im Café und dem Latte Macchiato daneben, weit entfernt von jeder existenziellen Bedrohung. Menschen die mit allerhöchster Sicherheit nicht an Terroranschlägen oder im Krieg sterben werden sondern an Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen, dramatisieren ihre eigenen kleinen Komplexe und Neurosen, pulen in ihrem Bauchnabel und twittern genau das, was sie immer twittern, nur dieses mal mit einem ganz besonderen Anlass und wie so oft bar jeglicher Empathie. Es geht diesen Leuten, die da ihren Seelenmüll abkippen, nicht um Paris, nicht um Terror, sondern ausschließlich um sich selbst.

Ja. Wenn Markus Söder twittert, dass „das“ alles ändere, dann hat sich für ihn gar nichts geändert. Er sieht nur einen Anlass mehr, das zu sagen, was er auch schon vorher gesagt hat. Aber es gibt nicht nur die vorhersehbaren Reaktionen in den sozialen Netzwerken. Es gibt auch den Hashtag #enmemoire, der nicht (wie so viele Phrasen mit Raute davor) das Immer-schon-gewusste-und-gesagte vervielfältigt, sondern Gedenken für die Toten von Paris ermöglicht.


Statt noch mehr zu sagen, möchte ich lieber eines Menschen namentlich gedenken: Adel Termos.

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