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Cannababy

„Bekiffte Kleinkinder – dm ruft Hanf-Pulver zurück“:

Der Berliner Hersteller Veganz warnt vor einem über die Drogeriemarktkette dm vertriebenen Hanfproteinpulver. Das „Veganz Hanfprotein-Pulver Rohkostqualität“ enthalte so viel THC, dass bei Kleinkindern die maximal empfohlene tägliche Aufnahme überschritten werden könne, hieß es in Informationen des Unternehmens.

Links der Woche

  • Leila Abu-Saada über einen Sammler arabischer Filmposter – darunter eins von Für ein paar Dollar mehr.
  • Van Bo Le-Mentzel in der Berliner Zeitung: „Schluss mit dem ‚Deutsch mit Migrationshintergrund‘-Quatsch!“
  • Aus der Reihe „Kann man sich nicht ausdenken“: Wie Michael Bittner für seine Entlarvung der Lügenpresse gelobt wird.
  • Mely Kiyak in der Zeit: „Was die AfD sexy macht, ist keine sozialpolitische Vision, sondern ihr Menschenhass. Trotzdem nehmen Politiker sie in Schutz.“
  • Rebecca Maskos: „Kein Sex ist auch keine Lösung“.

Links der Woche(n)

Bin ewig nicht dazu gekommen, regelmäßig Link-Empfehlungen zu posten. Habe trotzdem ein paar Links zusammengeklaubt, die jetzt teilweise gut abgehangen, aber immer noch lesenswert sind.

  • Eva Thöne interviewt Shereen El Feki und Leila Ahmed für Spiegel online: „Mohammed war in gewisser Weise Feminist“.
  • Kattascha auf ihrem Blog: „Was du wissen solltest, bevor du AfD wählst“.
  • Und die AfD stellt sich auch noch mal in eigenen Worten vor.
  • Nora Amin in der taz: „Ein weiblicher Platz“.
  • Paul Mecherils Rede auf dem Neujahrsempfang des Bremer Senats (im Weser-Kurier).
  • Worin Jürgen Todenhöfer sich als deutscher Nahost-Experte in der Tradition von Karl May, Gerhard Conzelmann und Peter Scholl-Latour erweist (von Özlem Gezer).

Ich nenne es antifaschistische Früherziehung

Ich laufe täglich mit Binti im Kinderwagen in der Rostocker Innenstadt herum. Heute morgen habe ich festgestellt, dass man auf den Bürgersteigen der Stadt neben Hundehaufen noch weiteren Unflat finden kann. Rings um das Herzogliche Palais, das heute als Universitätsgebäude dient, waren folgende Sprüche auf den Gehweg gestencilt:

  1. Frauenrecht ist Menschenrecht
  2. Schützt eure Frauen
  3. Nie wieder Schande von Köln

Daneben fand sich die hinlänglich bekannte rassistische Darstellung der schwarzen Hand, die einer weißen Frau zwischen die Beine greift.

Foto 1

Warum diese drei Parolen? Ich glaube, sie enthalten den gesamten neurechten Politikstil in kondensierter Form. Spruch Nr. 1 klingt wie eine universalistische Forderung: Frauen sind Menschen, also kommen ihnen die allen Menschen eignenden Rechte zu. Dieser aufgesetzte Universalismus ist typisch für den Rechtspopulismus. Kaum eine rechtspopulistische Artikulation kommt ohne Bezugnahme auf Menschenrechte, Demokratie oder Liberalismus aus. Aber natürlich ist das nicht wirklich ernst gemeint. Nötig sind solche Bezugnahmen nur deshalb, weil rechtes Gedankengut sich mit ihnen besser verkaufen lässt. Wenn man öffentlich einen Satz wie „Ich lass meine Alte nicht mehr allein auf die Straße, weil draußen so viele Museln rumlaufen“ von sich gibt, kann man vielleicht auf Facebook punkten, aber man wird schwerlich in öffentlich-rechtliche Polittalks eingeladen. Spruch Nr. 2 macht klar, wie Nr. 1 zu verstehen ist: Die Parolen richten sich an (weiße, heterosexuelle, christliche, deutsche) Männer, die sich die Verfügungsgewalt über ‚ihre‘ Frauen nicht nehmen lassen wollen – am allerwenigsten natürlich von den Frauen selbst. Frauen müssen deshalb unter männlichem Schutz stehen.¹ „Frauenrecht ist Menschenrecht“ sollte also keineswegs als universalistische Forderung gelesen werden, sondern bedeutet soviel wie „Frauen sind Männerrecht“. Warum es so wichtig ist, dass Frauen von Männern überwacht werden, offenbart Spruch Nr. 3: Die nationale Ehre hängt daran, dass die Männer sich auch wirklich als Herren im deutschen Haus fühlen können. Die Übergriffe, die in der Silvesternacht in Köln und anderen Städten stattfanden, sind aus rechtspopulistischer Sicht keine Gewalt an Frauen, sondern Gewalt am deutschen Mann, der sich zum Gespött gemacht sieht, weil seine Eigentumsrechte verletzt wurden.


Das eigentlich Frappierende daran ist, dass die drei Sprüche eine Weltanschauung verraten, die zu 100 % dem orientalistischen Blick auf den Islam entspricht. Der Islam ist aus dieser Sicht sowohl ein monolithisches Weltbild als auch die Gesamtheit der muslimischen Männer, deren Handeln sich ausnahmslos aus dem islamischen Weltbild erklärt. Weil das monolithische Weltbild keine anderen Handlungsoptionen offen lässt, müssen muslimische Männer sich (zwangsläufig, wie sogenannte Islam-Expert_innen immer wieder versichern) von allem in ihrer Ehre verletzt fühlen, was dem islamischen Weltbild widerspricht. Der dauerbeleidigte, rachsüchtige und und ewig um die Reinheit seiner Gattinnen, Schwestern und Töchter besorgte muslimische Patriarch ist deshalb ein so beliebtes Phantasma, weil es uns versichert, dass wir alteingesessenen Okzidentalen ja so viel gelassener sind. Da aber die rechtspopulistischen Männlein, die die Rostocker Gehwege verunstaltet haben, auch irgendwie ein Produkt unserer Gesellschaft sein müssen, drängt sich dann doch die Frage auf: Projection, much?


Mit Baby im Kinderwagen nimmt man die Stadt auf besondere Weise wahr. Man dreht bedächtige Kreise, betritt hier kurz einen Laden, bestellt dort einen Kaffee und geht selten geradeaus. Im Zickzack hat man es nicht nur weniger eilig, man kann auch besser die Ecken mit Kopfsteinpflaster abpassen, die den Kinderwagen schaukeln und dem kleinen Fahrgast ein wohliges Brummen entlocken. Es ist nicht eigentlich Fortbewegung, denn man bewegt sich nicht auf ein Ziel hin, sondern übt sich in der Kunst, möglichst langsam wieder am Ausgangspunkt anzukommen. Man langweilt sich und ist dann doch überrascht, dass schon wieder eine Stunde vergangen ist. So entdeckt man Muster, die unter anderen Umständen vielleicht gar nicht auffallen würden. Zum Beispiel, dass just an der Ecke Schwaansche Straße/Universitätsplatz, wo letzte Nacht die hetzerischen Stencils angebracht wurden, immer mal wieder mit Aufklebern für die Identitäre Bewegung geworben wurde. Könnte es sein, dass es im neurechten Milieu der Stadt eine gewisse Einfallslosigkeit der Ortswahl gibt? Die Runden, die Binti und ich allmorgendlich drehen, eignen sich jedenfalls hervorragend dazu, solche Unschönheiten fein säuberlich von den Laternenmasten abzuknibbeln und dem Mülleimer zu überantworten.


¹ Das Wort ‚Schutz‘ ist dabei etwa so wie in Schutzgeld oder Schutzgebiet zu verstehen.

Okzidentalismus

Nach einem Abendspaziergang trage ich Binti die Treppe hoch und sehe, wie die Burschis im Haus gegenüber mit Korbschlägern herumfuchteln. Überrascht bin ich Zeuge eines uralten, blutigen Brauchs, den auch die vor Jahrhunderten erfolgte Christianisierung Mecklenburgs nicht hat ausrotten können. Nur selten wird einem Außenstehenden ein solcher Anblick zuteil, der Erinnerungen an längst vergangen geglaubte Konflikte weckt, als deren Auslöser man einen zweifelhaften Ehrbegriff annehmen muss – ein Ehrbegriff, der nicht so recht in unsere Zeit passen will, aber in vielen Teilen Deutschlands noch höchst lebendig ist.

Links der Woche

Die Initiative #ausnahmlos finde ich unterstützenswert, möchte aber dennoch zwei eher kritische Repliken darauf verlinken:

  • Nadia Shehadeh von der Mädchenmannschaft fragt nach: „Ist ein feministisches Consulting und/oder Coaching unserer Institutionen sozialer Kontrolle ein Teil der Lösung, wenn genau diese Institutionen oft auch Teil des Problems sind? Können wir mit guter Hoffnung an Apparate appellieren, die seit Jahrhunderten zur Standswahrung von Privilegien und Abhängigkeiten funktionieren? Was lehrt uns die Ethnisierung sozialer Missstände und die Befeuerung von Entsolidarisierungstendenzen?“
  • Die Amadeu-Antonio-Stiftung weist darauf hin, dass unter den Erstunterzeichnerinnen von #ausnahmslos prominente BDS-Unterstützerinnen sind: „Insbesondere seit der UN-Weltkonferenz gegen Rassismus im südafrikanischen Durban im Jahr 2001 spielt der Antisemitismus in Teilen der weltweiten Antirassismus-Bewegung eine zunehmend große Rolle. Die an für sich sehr wichtige UN-Konferenz gegen Rassismus wandte sich fast alleinig gegen Israel. […] Bei der Konferenz kam es auch zu physischen Angriffe auf Jüdinnen und Juden, die teilweise verängstigt vorzeitig die Konferenz verließen.“ Die Stiftung fordert deshalb, die Verquickung von Antirassismus und Antisemitismus kritisch zu beleuchten – was die Antira-Bewegung am besten selbst tun sollte.

’68 und die Folgen

Immer dann, wenn irgendwer erzählt, seit die ’68er „die Macht“ im Land übernommen hätten, breiteten sich alle möglichen Übel – von Pädophilie über genderndes Gutmenschentum bis hin zum Multikulturalismus – ungehemmt aus, muss ich insgeheim lachen. Welche ’68er denn? Es folgt eine kleine Auswahl von ’68ern – was sie heute so treiben:

Götz Aly (Historiker)

  • Damals: Mitglied der Roten Zellen
  • Heute: Bescheinigt in seinem Buch Unser Kampf dem Parteigenossen Kiesinger, die NS-Vergangenheit bestens aufgearbeitet zu haben

Gerhard Amendt (Soziologe)

  • Damals: SDS-Mitglied, studierte bei Horkheimer und Adorno
  • Heute: Männerrechtler, bezeichnet Frauenhäuser als „Hort des Männerhasses“

Stefan Aust (Journalist)

  • Damals: konkret-Redakteur
  • Heute: Kämpft gegen Stromerzeugung durch Windkraft

Tilman Fichter (Politikwissenschaftler)

  • Damals: Mitglied des SDS
  • Heute: Klüngelt mit der Jungen Freiheit

Jörg Friedrich (Historiker)

  • Damals: Trotzkist
  • Heute: Geschichtsrevisionist, der mit seinem Dresden-Buch Der Brand die deutsche Seele streichelt

Rainer Langhans (Spinner)

  • Damals: Mitglied der Kommune 1
  • Heute: „Spiritualität in Deutschland heißt Hitler. Und erst wenn du da ein Stück weiter bist, kannst du jenseits davon kommen, bis dahin aber mußt du das Erbe übernehmen. […] Wir müssen dieses Erbe von unseren Eltern übernehmen, […] im Sinne einer Weiterentwicklung dessen, was da von Hitler versucht wurde. Es bleibt uns keine Wahl, wir können uns noch so sehr dagegen sträuben.“

Horst Mahler (Nazi)

  • Damals: Mitglied des SDS, des Sozialistischen Anwaltskollektivs und der RAF
  • Heute: Holocaustleugner

Günter Maschke (Journalist)

  • Damals: Mitglied der DFU, der Subversiven Aktion, des SDS und der Kommune Wien
  • Heute: Himmelt Carl Schmitt an und findet Demokratie voll schlimm totalitär

Reinhold Oberlercher (Pädagoge)

  • Damals: Mitglied des SDS
  • Heute: Hat für seine Weltanschauung die Bezeichnung „Nationalmarxismus“ erfunden

Bernd Rabehl (Soziologe)

  • Damals: Mitglied der Subversiven Aktion und des SDS, Mitstreiter Dutschkes
  • Heute: Faselt überall, wo er nur kann, von der Notwendigkeit des Nationalismus und der Gefahr der Überfremdung

Klaus Rainer Röhl (Publizist)

  • Damals: konkret-Herausgeber, Mitglied der illegalen KPD
  • Heute: Findet den Begriff „Befreiung“ für den 8. Mai 1945 jetzt echt mal unangemessen

Otto Schily (Politiker)

  • Damals: RAF-Verteidiger, Mitgründer des Republikanischen Anwältinnen- und Anwältevereins
  • Heute: Fordert für seinen alten Kumpel Horst Mahler, dass Holocaustleugnung nicht mehr mit langjähriger Haft bestraft werden sollte

Gerd Schröder (Lobbyist)

  • Damals: Juso, Mitgründer des Republikanischen Anwältinnen- und Anwältevereins
  • Heute: Erst „Bild, BamS und Glotze“-Kanzler, dann Gazprom-Aktionärsvorsitzender und Putinversteher

Zugegeben, die Auswahl ist nicht ganz repräsentativ. Aber wäre ich ein sogenannter besorgter Bürger, ich würde nach dem Lesen dieser Liste auf den Tisch hauen, dass die Mettbrötchen einen Sprung machen, und ausrufen: „Die ’68er an die Macht!“

Links der Woche