Begeistert dafür sein dürfen

Unbenannt

Sehr geehrte Frau Pe,

Ihrer Verwirrung bezüglich dessen, was Sie dürfen und was nicht, kann abgeholfen werden: Das Vermummungsverbot gemäß § 17a Abs. 2 Versammlungsgesetz gilt nur, wenn man sich auf öffentlichen Versammlungen unter freiem Himmel, Aufzügen oder sonstigen öffentlichen Veranstaltungen unter freiem Himmel oder auf dem Weg dorthin befindet. Die Kenntnis des rechtlichen Rahmens sollte Ihnen einen sicheren Leitfaden bieten, unter welchen Umständen Sie für ein Burkaverbot sein dürfen. Von einer Auswanderung nach Frankreich rate ich ab. Gemäß Artikel 11 der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 gilt in Frankreich die „freie Äußerung von Gedanken und Meinungen“ als Menschenrecht. Demzufolge darf jede Bürgerin und jeder Bürger „frei reden, schreiben und drucken“. Man kann sich in etwa vorstellen, wohin das führt: Es steht zu befürchten, dass man in Frankreich nicht nur für, sondern auch gegen das Burkaverbot sein darf. Eine völlig widersinnige Regelung, denn wie schon Seine Heiligkeit, Papst Leo XIII. bemerkte, widerspricht es der Vernunft, „dass das Falsche gleiches Recht haben soll wie das Wahre“. Womöglich können die Franzosen das Wahre gar nicht vom Falschen unterscheiden, denn dem Vernehmen nach gibt es dort 5,7 Millionen Muslime. Das ist mindestens eine Million mehr als in Deutschland. Vielleicht wäre es also doch gut, wenn Sie nach Frankreich auswandern würden. Damit denen da auch mal jemand sagt, wofür sie sein dürfen und wofür nicht.

Hochachtungsvoll

(Dieses Schreiben wurde automatisch erstellt und ist ohne Unterschrift gültig.)

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Die syrische Bart-Partei

Heute bin ich auf diesen Troll-Tweet gestoßen:

Bart-Partei

Dem Bart des Mannes kommt im orientalistischen Diskurs eine besondere Bedeutung zu. Der Bart ist anders, er ist nicht ‚abendländisch‘. Wie der Hidschab bei den Frauen dient der Bart bei den Männern als Integrationshindernis. Das führt zu Reaktionen: Salafitische Konvertiten sind stolz auf ihre Fusselbärte, und muslimische Jugendliche ziehen gern durch den Kiez und fragen barttragende Kartoffeln spöttisch, ob sie vielleicht christliche Fundamentalisten seien.


Nun steht also im Raum, ob die syrische Bart-Partei ein Ableger der deutschen Bart-Partei ist. Das ist immerhin neu. Ich muss sagen, auf den ersten Blick nehme ich einen deutlichen Unterschied wahr. Hier der Look der deutschen Bart-Partei:

Man sieht, dass der typische deutsche Parteibart nur etwa maikäfergroß ist. Der syrische Parteibart ist im Vergleich etwas breiter:

Von solchen Details abgesehen, gibt es einige Gemeinsamkeiten zwischen deutschen und syrischen Parteibärten. Der Baathismus, die offizielle Ideologie der syrischen Bart-Partei, stammt aus den 1930ern, der Hochzeit des Faschismus in Europa. Michel Aflaq, einer der Gründer des Baathismus, unterstützte 1941 den profaschistischen Staatsstreich Raschid Ali al-Gailanis im Irak. Das Regime al-Gailanis plante eine Militärkooperation mit dem nationalsozialistischen Deutschland. Nachdem britische Truppen das Regime stürzten, organisierten al-Gailanis Anhänger einen Pogrom an der jüdischen Bevölkerung Bagdads, der hunderte von Menschenleben kostete. Aflaq empfahl offen Repression und Grausamkeit als Mittel zur politischen Erziehung des arabischen Volkes, das von seinem wahren Selbst entfremdet sei. Angeblich soll sich im frühen Baathismus auch eine rege Übersetzungstätigkeit entwickelt haben, bei der die (proto)-nationalsozialistischen Schriften von Houston Stewart Chamberlain und Alfred Rosenberg ins Arabische übertragen wurden. Im organisatorischen Sinn ein Ableger der NSDAP ist der Baathismus aber nicht. Überhaupt zeichnet er sich durch höchste ideologische Flexibilität aus. Die baathistischen Herrscher in Syrien und im Irak gaben sich mal säkular, mal islamisch. Mal arbeiteten sie mit den Kommunisten zusammen, dann wieder warfen sie sie ins Gefängnis. Ein Merkmal ist allerdings durchgängig vorhanden: Jegliche Opposition wird mit äußerster Brutalität unterdrückt, wie sich seit 2011 im Syrischen Bürgerkrieg immer wieder zeigt.


Was der gute @Jonni77Like nicht kapiert hat, ist aber vor allem: Die syrischen Refugees, die gegenwärtig nach Europa kommen, sind keine Anhänger_innen der Assad-Bärte, sondern fliehen vor ihnen. Dank der Unterstützung Russlands und der Indifferenz des Westens hat das Assad-Regime freie Hand, seine Bevölkerung zu massakrieren – solange es auf den allzu anstößigen Einsatz von Chemiewaffen verzichtet. Rassismus in Europa, das bedeutet brennende Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland, Gewaltexzesse der ungarischen Polizei und geschlossene Grenzen in Dänemark. Angesichts dessen den syrischen Refugees Rassismus zu unterstellen, ist dümmster Zynismus.